Mit schweren Rucksäcken sind wir unterwegs zur Tabaretta Hütte. Kurz bevor die Dämmerung einbricht kocht Johan noch leckere Brokoli Nudeln auf der Hüttenterrasse. Wenig später schauen nur noch unsere Nasen aus den Schlafsäcken. Im Winterraum der Tabaretta Hütte sind wir gut untergebracht, bis Mitternacht dann klingelt auch schon wieder Wecker. Ein kräftiges Frühstück und hinaus in die Nacht. Eine kurze Querung bringt uns in die direkte Falllinie der Ortler N- Wand. Dies zählt zwar nicht zu den steilsten, aber mit einer Länge von 1400m zu den längsten Eiswänden der Ostalpen. Früher berühmt und berüchtigt mit großen Seracs in der Wandmitte. Heute verbunden durch den allgemeinen Gletscherrückgang ist die Wand etwas leichter geworden, aber immer noch eine große und anspruchsvolle Tour. Wir gewinnen schnell an Höhe, bis zum Flaschenhals in der Wandmitte finden wir guten Trittschnee vor, dann ändern sich die Verhältnisse schlagartig. Von nun an kratzen die Steigeisen und Pickel im blanken Gletschereis. Das Gelände ist nicht sehr steil, aber dennoch zwickt es nach einer Seillänge ganz schön in den Waden. Schnell zwei Eisschrauben eindrehen, Stand rufen und die Wadenmuskulatur entspannen. So klettern wir Seilänge um Seilänge höher. Das letzte Stück steigen wir über den Martlgrat weiter. Um 8:30 Uhr gibt es einen glücklichen Handschlag am Gipfelkreuz. Super gemacht Johan.

11:57
bergfuehrer-suedtirol.eu

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