

Der Kletterführer "Nichts als Granit" liegt schon länger in meinem Bücherregal. Des öfteren habe ich ihn schon durchgeblättert und bin bei den Granitbergen im Val di Mello hängen geblieben. Nach der Sommersaison bin ich mit Wilfried unterwegs, Richtung Süden um nochmals "auszugeistern" und den warmen Fels zu geniessen bevor der Winter kommt. Unsere Fahrt führt uns durch das Val di Sole über den Tonalepass Richtung Edolo. Über Aprica galngen wir schliesslich hinunter in das flache Talbecken der Valtinella. Kurz nach Sondrio geht es auch schon hinein in die südlichste Berggruppe des Bergells, dem Val Masino und Val di Mello. Dieses ist vor allem als eines der besten Bouldergebiete in den Alpen bekannt. Das jährlich im Frühlung veranstaltete Boulderfestival " Melloblocco" zieht tausende von Ahtleten und Zuschauer ins Tal. Auch als eingefleischter Seilkletterer wir man vom Zauber dieser Felsblöcke die wie eigens hintransportiert in den sanften Wiesen und Buchenwäldern liegen, in den Bann gezogen. Doch zuerst machen wir uns einmal im Klettergarten Sasso Remeno, der gleich an der Straße liegt, mit der Materie Granit vertraut. Uns sind gleich die Worte vom Wirt des Rifugio Mello, der früher ein hervorragender Kletterer war, in den Sinn gekommen: "Qua in Val di Mello si arrampica con la testa non con la sforza" (hier im Val di Mello klettert man vor allem mit dem Kopf nicht mit der Kraft). Und wahrlich es ist eine gute Fusstechnik gefragt will man an den kaum strukturieten Platten, einen Erfolg einheimsen. Am Ende des Tages gelingt uns eine schöne 6c+ Route, danach geniessen wir zufrieden das Feierabendbier auf der Terrasse. Dabei stechen uns auch schon die markantesten Kletterberge im Tal ins Auge: der Precipizo degli Asteroidi und der Scoglio delle Metamorfosi. Den gewaltigen Grantipanzer des Scoglio durchzieht im rechten Wandteil eine markante Risslinie, die Luna Nascente. Einer der schönsten Klassiker im Val di Mello. So spreizen auch wir am nächsten Tag die herrlichen Risse und Verschneidungen im rötlich braunen Granit hinauf. Der Einstieg ist mit 6b zwar gleich etwas ruppig, danach kommt aber richtig Freude auf. Als Dolomitenkletterer ist man auf lockeren oder brüchigen Fels bedacht. Hier in der Luna Nascente ist alles bombenfest, auch die Zwischensicherung (Friends) lassen sich in den Rissen problemlos unterbringen. Ein wahrer Genuss der leider viel zu schnell vorbei war. Am Tag darauf stiegen wir die 1,5 Stunden zum Precipizio degli Asteroidi hinauf. Ivan Guerini, einer der Pioniere im Val di Mello hat mit dem Ozeano Irrazionale eine weitere Traumlinie hinterlassen. Die Route erreicht den Schwierigkeitsgrad 6b und ist fast zu Gänze selbst abzusichern. Voller Motivation einen weiterern schönen Tag zu erleben steigen wir ein. Ein Bündel Friends hängt auch wiederum am Gurt. Doch leider hat es über Nacht geregnet und der Granit trocknet nicht so schnell ab wie Dolomitgestein. Im Mittelteil sind zwei Seillängen vollig nass, da geht nicht´s mehr weiter. Etwas wehmütig seilen wir wieder ab und geniessen noch einen Cappuccino im Rifugio Mello. Danach wird es auch Zeit Abschied zu nehmen von diesem einzigartigen und wunderbaren Tal, dem Val di Mello. Bis zum nächsten mal, wir kommen bestimmt wieder...
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